Gesundheitsministerium: Knapp 80 Prozent der Stellen für IT-Fachkräfte unbesetzt

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Das Thema IT-Sicherheit spielt nicht nur in Privatunternehmen eine Rolle, sondern natürlich auch bei den Ministerien des Bundes. Die Bedrohungslage wird in Sachen Hacks und Cyberkriminalität immer noch als besorgniserregend in Deutschland eingestuft. Die Lösung? Mehr Leute einstellen. Genau das machen die Ministerien auch, allerdings nicht immer mit Erfolg. Im Gesundheitsministerium sind zum Beispiel fast 80 Prozent der IT-Stellen unbesetzt.

In vielen Landkreisen und Städten kam es bereits zu Hackerangriffen, sodass allseits bekannt ist, inwiefern so etwas eine Behörde lahmlegen kann. Selbst Monate später kann es sein, dass die Behörden noch nicht wieder im Regelbetrieb arbeiten.

BSI sieht eine besorgniserregende Bedrohungslage

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat sich zur Bedrohungslage in Deutschland geäußert und hält sie in diesem Zusammenhang nach wie vor für besorgniserregend. Das BSI weist außerdem darauf hin, dass die Professionalität bei Cyberkriminellen zunehmen würde.

Ziel von Hackern sind aber nicht nur Privatunternehmen, sondern auch Behörden, Ministerien und sogar der Bundestag. Bereits seit Jahren hat der Bund Probleme, Personal zu finden, welches sich mit der Abwehr der Cybergefahren beschäftigt.

Jede sechste Stelle für IT-Fachkräfte unbesetzt

In den Ministerien sieht die Lage derzeit nicht gerade rosig aus, denn jede sechste Stelle, die eigentlich mit einer IT-Sicherheits-Fachkraft besetzt sein sollte, ist stattdessen unbesetzt. Es gibt allerdings Ministerien, die davon mehr oder weniger, teilweise auch gar nicht betroffen sind. Die Situation zeigt generell ein sehr differenziertes Bild.

  • Auswärtiges Amt: Stellenzahlen innerhalb von fünf Jahren sogar verdoppelt.
  • Ministerium für Digitales und Verkehr: Hier ebenfalls, innerhalb von fünf Jahren verdoppelte Stellenzahlen, wobei dennoch jede dritte Stelle im Ministerium in Sachen IT-Sicherheit unbesetzt ist.
  • Bauministerium: Vier neu geschaffene Stellen, alle besetzt.
  • Gesundheitsministerium: Knapp 80 Prozent der Stellen sind nicht besetzt (kürzlich wurden nicht mal drei Stellen besetzt).
  • Innenministerium: Obwohl das Gesundheitsministerium rein in Sachen Besetzungsquote besonders negativ auffällt, so ist es das Innenministerium, bei dem in absoluten Zahlen ausgedrückt am meisten Fachkräfte fehlen. Von insgesamt knapp 750 unbesetzten Stellen in allen Ministerien fallen ungefähr 450 Stellen auf das Innenministerium (BMI). Allerdings schafft das BMI auch stets neue Stellen, dennoch fehlen hier immer noch an allen Ecken und Enden passende Mitarbeiter.

IT-Fachkräfte sind allgemein sehr begehrt. Selbst wenn die Bundesregierung versucht, das Thema Cyberabwehr zumindest personell besser zu stärken, scheitert es an den fehlenden Fachkräften, die auch in der Privatwirtschaft gefragt sind.

Die Linken-Digitalpolitikerin Anke Domscheit-Berg äußert sich gegenüber der Regierung kritisch und ist der Ansicht, diese habe keine einheitliche Strategie. Sie wirft der Spitze des Gesundheitsministerium außerdem fehlende Digitalkompetenz vor. Das Ministerium wiederum verweist lediglich auf den Fachkräftemangel im IT-Bereich und auf die außerdem besondere konkurrierende Situation zwischen dem öffentlichen Dienst und der freien Wirtschaft. Dennoch ist Domscheit-Berg überzeugt, dass es keine Rechtfertigung dafür gäbe, dass etwa drei Viertel der IT-Sicherheitsstellen über Jahre hinweg unbesetzt seien.

750 unbesetzte IT-Sicherheitsstellen in den Ministerien

Obwohl es im Gesundheitsministerium besonders bescheiden aussieht, so sind verschiedene Ministerien daran beteiligt, wie sich die IT-Sicherheit in den deutschen Ministerien darstellt. Um die 750 Stellen sollen insgesamt unbesetzt sein, wie die Bundesregierung nach ARD-Anfrage bekannt gibt. Davon fallen knapp 450 Stellen auf das Innenministerium (BMI). Die Bundespolizei oder auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schafft allerdings auch immer wieder neue Stellen. Dennoch ist die Anzahl an freien Plätzen insgesamt zu hoch, unabhängig der Beweggründe.

So sieht es auch die BSI-Chefin Claudia Plattner, die ein deutlich größeres Bewusstsein für das Thema Cybersicherheit fordert. Sie sagt, es muss vor allem auch in den Chefetagen ankommen, dass man sich verstärkt um das Thema kümmern müsse.

Quelle: ARD, BSI, Anke Domscheit-Berg

Maria Lengemann http://www.maria-lengemann.de

Maria Lengemann ist 37, Gamerin aus Leidenschaft, Thriller-Autorin und Serienjunkie. Sie ist seit 14 Jahren selbstständig und journalistisch auf den Hardware- und Gaming-Bereich spezialisiert.

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