Airtag-Tracking: SUV taucht nach Diebstahl 11.000 Kilometer weit weg wieder auf

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Wer sich einen Airtag von Apple zulegt, der möchte vor allem im Bilde darüber sein, wo sich seine Gegenstände befinden. Ein Airtag in die Handtasche, vielleicht eines ins Auto und einen im Rucksack für den Urlaub. Der Ernstfall tritt dann hoffentlich nie ein – und wenn doch, dann weiß man zumindest, wo sich das eigene Objekt befindet. So ist es auch einem SUV-Besitzer ergangen, der dank Airtag den gesamten Diebstahl seines Fahrzeugs mitverfolgen konnte. Das Auto hat es trotzdem ganze 11.000 Kilometer weit geschafft, scheint aber immer noch nicht wieder beim rechtmäßigen Besitzer zu sein.

Wenn ein Auto (unfreiwillig) auf die Reise geht

Über Monate hinweg hat der Besitzer eines SUV den Diebstahl seines Fahrzeugs quasi live verfolgen können – und zwar durch einen Airtag von Apple. Dieser lag im Fahrzeug, als es gestohlen wurde.

Leider hat die Geschichte bis jetzt noch kein gutes Ende genommen, und das, obwohl die Behörden dank Apple-Technik immer wussten, wo sich das Auto befand. Wie kann das sein?

Autobesitzer Andrew – nach Diebstahl seines 1. Autos trifft er neue Vorsichtsmaßnahmen

Nachdem Andrew, wie sich der Fahrer in den Medienberichten selbst nennt, einen Diebstahl seines SUVs miterleben musste (Mai 2023) wollte er vorbereitet sein, falls so etwas jemals wieder passieren würde.

Und leider tat es das. Nachdem er im Mai erst den Verlust des ersten Fahrzeugs verkraften musste, stattete er nun seinen GMC Yukon XL mit Airtags von Apple aus, und zwar gleich mit zwei Stück, denn doppelt hält bekanntlich länger.

Im Falle eines erneuten Diebstahls könne er so das Fahrzeug verfolgen, das war der Gedanke. Sicherlich hoffte er darauf, dass das nie wieder eintreten würde, doch tatsächlich passierte es nur wenige Monate nach dem ersten Diebstahl erneut.

2. Diebstahl im August 2023

Andrew und seine Familie waren auf dem Rückweg aus dem Urlaub. Sie kommen wieder in Toronto an und bemerken, dass Diebe das Auto offenbar schon ins Visier genommen haben. Es gab einen verstellten Fahrersitz und eine veränderte Lenkradsperre. Nach einer kurzen Mahlzeit zu Hause war der Wagen dann tatsächlich ganz weg. Ja, wir fragen uns an der Stelle auch, wie so etwas sein kann und warum es nicht besser geschützt wurde, wenn man schon annimmt, dass es gestohlen werden könnte – aber sei es drum. Das Auto war also weg!

Auf dem Handy konnte Andrew dank Apple-Technik verfolgen, wo sich der SUV befand.

Tag 1 (August 2023):

Einige Stunden blieb der SUV im Toronto-Umland.

2 Tage später:

Nach 2 Tagen kam ein Signal von einem Terminal von Canadian Pacific Kansas City, einem Eisenbahnunternehmen. Die Polizei fährt zwar zum Terminal und dort findet man heraus, dass der SUV in einem Güterwaggon steht, aber die Beamten haben keine Zugriffsrechte. Andrew wird daher an den privaten Sicherheitsdienst des Unternehmens verwiesen. Andrew stellte eine Anfrage, aber die Reaktion des privaten Sicherheitsdienstes ließ leider zu lange auf sich warten. Der Zug fährt ab und mit ihm das gestohlene Auto.

7 Tage später:

Ein neues Signal des Airtag geht ein. Dieses Mal steht der SUV am Hafen von Montreal, aber auch dort konnte man offenbar nichts machen.

Anfang September 2023:

Es vergeht ein ganzer Monat ohne ein Signal. Anfang September kommt das nächste Signal aus Belgien. Offenbar stand der SUV nun im Frachthafen von Antwerpen.

Ende September 2023:

Eine erneute Meldung kommt aus einem Hafen in Dubai, ungefähr Ende September. Zwischen Andrew und seinem Auto liegen nun stolze 11.000 Kilometer. Er hat mehrfach versucht, sein Fahrzeug mittels Polizei wieder zu erhalten, aber alles scheiterte. Er selbst gibt an, dass die Polizei entweder die Verantwortung von sich gewiesen hätte oder einfach nicht schnell genug war.

Praktisch ist die Tatsache, dass innerhalb von Andrews Familie (sein Vater) ein Richter in Rente etwas Zeit investierte, um zu überlegen, wie sein Sohn das Fahrzeug zurück bekommen könnte.

Und nun? Ein Privatdetektiv fand das Auto

Sie engagierten einen Privatdetektiv. Dieser arbeitete in Dubai daran, den Wagen zu finden – und konnte ihn tatsächlich aufspüren.

Der GMC Yukon XL wird dort zum Verkauf angeboten und wartet auf einem Parkplatz auf einen neuen Besitzer. Da die Identifikationsnummer übereinstimmt, kann man das Fahrzeug auch zweifelsfrei als Andrews Wagen bestätigen. Selbst der Kilometerstand, der bei der Gebrauchtwagen-Anzeige dabei stand, passt genau zu Andrews eigenen Angaben.

Mitte Januar 2024: Immer noch keine Auslieferung

Trotz Airtag und genauem Standort des SUV hat Andrew seinen Wagen immer noch nicht wieder. Es heißt, die Polizei von Toronto sei am Fall dran. Sowohl Andrew als auch sein Richter-Vater hätten nach eigenen Angaben aber auch schon Kontakt zu Interpol als auch zu der emiratischen Polizei aufgenommen. Der SUV steht derweil immer noch auf dem Parkplatz und wartet auf einen Käufer.

Warum konnte die Polizei nicht eingreifen?

Die berechtigte Frage ist nun, warum der SUV nicht schon zu Beginn seiner Reise wieder zum Besitzer zurückgeführt werden konnte. Airtags sind in diesem Zusammenhang schon oft ein Thema gewesen, zum Beispiel, wenn es um gestohlene Fahrräder geht. Mit einer kleinen Halterung am Fahrrad weiß der Besitzer immer, wo sich das Rad befindet und kann im Falle eines Diebstahls … ja, was eigentlich?

Angenommen, jemand entdeckt den Diebstahl sofort, alarmiert die Polizei und diese kann beispielsweise ein Fahrzeug mit dem Diebesgut auf offener Straße stellen. Das Fahrrad würde dann problemlos an den Besitzer zurückgeführt werden können. Leider ist es allerdings bei weitem nicht so einfach, wenn das Fahrrad zum Beispiel auf einem Privatgrundstück steht. Selbst wenn es geklaut wurde, steht es erst einmal auf einem Platz, bei dem die Polizei nicht einfach eindringen und das Fahrrad zurückholen dürfte. Genau das ist auch beim gestohlenen SUV passiert, der auf dem privaten Firmengelände stand. Aus diesem Grund wurde Andrew an den privaten Sicherheitsdienst verwiesen.

Ein Airtag ist also an sich eine prima Idee, um zumindest zu wissen, wo sich das eigene Hab und Gut aufhält. Die Frage ist nur, ob man es dann auch so einfach wieder zurückbekommt, wenn es geklaut werden sollte. Sicherer, eine Verfolgungsmöglichkeit zu haben, ist es aber auf jeden Fall.

Quelle: Apple, Andrew, T3n

Maria Lengemann http://www.maria-lengemann.de

Maria Lengemann ist 37, Gamerin aus Leidenschaft, Thriller-Autorin und Serienjunkie. Sie ist seit 14 Jahren selbstständig und journalistisch auf den Hardware- und Gaming-Bereich spezialisiert.

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